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Praxisleitfaden für Privatpersonen

Phishing erkennen, prüfen und richtig reagieren

Eine Checkliste für verdächtige E-Mails, SMS, Messenger-Nachrichten, QR-Codes, Webseiten und Telefonanrufe.

Version 1.0Stand: Juli 2026Bearbeitungszeit: ca. 3 Minuten
Die wichtigste Regel: Stoppen, unabhängig prüfen und erst dann handeln.Nutzen Sie nie die Telefonnummer, den Link oder den QR-Code aus einer verdächtigen Nachricht zur Verifikation.

Der sichere 3-Schritte-Ablauf

Auch professionell gestaltete Nachrichten können gefälscht sein. Prüfen Sie nicht nur das Aussehen, sondern den Kontext und den verlangten nächsten Schritt.

1 · StoppenNichts anklicken oder freigeben
Keine Anhänge öffnen, keine Codes nennen und keine Zahlung auslösen.
2 · PrüfenAbsender unabhängig kontaktieren
Offizielle App, selbst eingetippte Webadresse oder bekannte Telefonnummer verwenden.
3 · EntscheidenBei Zweifel abbrechen
Nachricht melden, löschen und bei Bedarf eine zweite Person oder die IT beiziehen.

Phishing-Checkliste

Jedes angekreuzte Warnsignal erhöht das Risiko. Ein einziges starkes Signal kann bereits genügen, um die Kommunikation abzubrechen.

Praxisbeispiele

Verdächtig: Paketgebühr per SMS

«Ihr Paket konnte nicht zugestellt werden. Zahlen Sie CHF 1.95 unter post-zustellung-help.example.»

Warum verdächtig? Unerwartete Nachricht, kleine Zahlung, Zeitdruck und fremde Domain. Nicht klicken. Sendung direkt in der offiziellen App oder auf der selbst eingegebenen Website prüfen.

Verdächtig: Anfrage der Geschäftsleitung

«Ich bin in einer Sitzung. Kaufe sofort Gutscheinkarten und sende mir die Codes. Vertraulich behandeln.»

Warum verdächtig? Dringlichkeit, Geheimhaltung, ungewöhnlicher Zahlungsweg. Auftrag telefonisch über eine bekannte Nummer bestätigen und intern melden.

Sicherer Prüfweg: E-Banking

Sie erhalten eine angebliche Bankmeldung. Schliessen Sie die Nachricht und öffnen Sie die Banking-App selbst. Prüfen Sie dort Mitteilungen und Transaktionen. Rufen Sie bei Bedarf die Nummer auf Ihrer Bankkarte an.

Sicherer Prüfweg: Microsoft 365

Bei einer angeblichen Passwortwarnung nicht den E-Mail-Link verwenden. Öffnen Sie das bekannte Firmenportal direkt oder fragen Sie die interne IT. Melden Sie die Nachricht über die vorgesehene Phishing-Funktion.

Sieben besonders starke Warnsignale

1

Emotion statt Information

Angst, Neugier, Hilfsbereitschaft, Autorität oder Gewinnaussichten sollen eine schnelle Reaktion auslösen.

2

Umgehung normaler Abläufe

Zahlungen, Passwortänderungen oder Freigaben sollen ausserhalb des bekannten Prozesses erfolgen.

3

Geheimhaltung

Sie sollen niemanden informieren oder eine interne Kontrolle überspringen.

4

Fernzugriff

Eine unbekannte Person verlangt die Installation einer Support-App oder Zugriff auf Ihren Bildschirm.

5

Sicherheitscode am Telefon

Ein Anrufer fordert einen SMS-Code, eine App-Freigabe oder die Bestätigung einer vermeintlichen Stornierung.

6

Ungefragter QR-Code

QR-Codes verbergen das Ziel. Öffnen Sie sensible Dienste grundsätzlich über die bekannte App oder Adresse.

7

«Zu gut, um wahr zu sein»

Unerwartete Gewinne, extrem günstige Angebote, sichere Renditen oder Rückerstattungen ohne nachvollziehbaren Grund.

Risikoeinschätzung

Niedrig

Kein Warnsignal, erwarteter Vorgang und unabhängig bestätigt. Trotzdem nur über den offiziellen Kanal fortfahren.

Unklar

Ein oder mehrere Warnsignale. Nicht handeln. Absender über einen bekannten, unabhängigen Kanal verifizieren.

Hoch

Passwort, Code, Zahlung, Fernzugriff oder starker Zeitdruck. Sofort abbrechen, melden und gegebenenfalls Schutzmassnahmen einleiten.

Falls bereits etwas passiert ist

Handeln Sie sofort – in dieser Reihenfolge

  1. Verbindung und Vorgang stoppen: Seite schliessen, Download abbrechen. Bei verdächtiger Datei das betroffene Gerät vom Netzwerk trennen.
  2. Passwörter von einem sicheren Gerät ändern: Zuerst das E-Mail-Konto, danach Banking, soziale Medien und weitere betroffene Dienste. Wiederverwendete Passwörter ebenfalls ersetzen.
  3. Bank oder Kartenanbieter sofort kontaktieren: Karten sperren, Transaktionen prüfen und unberechtigte Zahlungen melden.
  4. Mehrfaktor-Anmeldung prüfen: Unbekannte Sitzungen, Geräte, Weiterleitungsregeln und Wiederherstellungsdaten entfernen.
  5. Im Unternehmen: Interne IT oder Sicherheitsverantwortliche sofort informieren. Nicht selbst «aufräumen», bevor Beweise gesichert sind.
  6. Belege sichern: Screenshots, Nachricht, Absender, Internetadresse, Telefonnummer, Zahlungsbelege und Uhrzeit dokumentieren.
  7. Vorfall melden: Phishing-Links können über antiphishing.ch und Cybervorfälle über das Meldeformular des BACS gemeldet werden. Bei Vermögensschaden oder Erpressung Polizei kontaktieren.
Wichtig: Schämen Sie sich nicht. Professionelle Angriffe sind gezielt darauf ausgelegt, Vertrauen und Zeitdruck auszunutzen. Schnelles Melden begrenzt Schäden und schützt weitere Personen.